Wie können Jugendliche ihre Stadt mitgestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich

der 10. Jahrgang der IGS Querum am Freitag, den 30. Oktober, beim Abschluss des

Projekts 10P1 „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“. Am Ende eines intensiven

Projekttages trafen vier konkrete Ideen für Braunschweig auf vier Politikerinnen und

Politiker, die aufmerksam zuhörten.

Im Verlauf des Projekts hatten sich die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen

Aspekten des Oberthemas auseinandergesetzt, unter anderem mit der Geschichte der

BRD und DDR bzw. Diktaturen im Allgemeinen. Zum Abschluss rückte die Europäische

Union in den Mittelpunkt und damit auch die Frage, wie demokratische Teilhabe ganz

konkret vor der eigenen Haustür aussehen kann.

Unterstützt wurde der Jahrgang dabei von EuroSOC #Digital, das in den ersten vier

Unterrichtsstunden mit allen vier Klassen eine Regionalwerkstatt durchführte. Nach einem

Einstieg in die Europäische Union entwickelten die Jugendlichen in Kleingruppen Ideen

für Veränderungen in Braunschweig, die unmittelbar an ihre eigene Lebenswelt

anknüpften. Dabei lernten sie mit dem Design-Thinking-Prozess eine Methode kennen,

um ausgehend von einem Problem kreative und möglichst konkrete Lösungsvorschläge

zu entwickeln. Jede Klasse wählte schließlich eine Idee aus, die im Anschluss präsentiert

werden sollte.

In der fünften und sechsten Stunde wurde es dann spannend: In der Aula traf der

gesamte Jahrgang auf vier Gäste aus der Politik: Swantje Schendel (Bündnis 90/Die

Grünen), Julia Retzlaff (SPD), Jorrit Bosch (Die Linke) und Carsten Müller (CDU). Vor

diesem Publikum präsentierten die vier ausgewählten Schülergruppen ihre Vorschläge in

kurzen Pitches.

Eine Gruppe setzte sich für ein Jugendzentrum in der Braunschweiger Innenstadt ein.

Ihr Argument: Zwar gibt es zahlreiche Angebote für Jugendliche, doch gerade im Zentrum

fehlen konsumfreie Räume, in denen sich junge Menschen unkompliziert treffen und

aufhalten können.

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit der Zukunft der Wolters-Brauerei. Ihre Idee:

den traditionsreichen Standort als kulturelles Erbe erhalten, möglicherweise Teile als

Museum nutzen und die Brautradition in kleinerem Umfang fortführen.

Auch der Theaterpark rückte in den Fokus. Die Jugendlichen kritisierten die

unzureichende Beleuchtung, überfüllte Mülleimer und fehlende öffentliche Toiletten.

Besonders thematisierten sie die Ungleichbehandlung bei Toilettengebühren. Mit besserer

Beleuchtung, mehr Aufenthaltsqualität und möglicherweise einem Kiosk könnte der Park

zu einem attraktiveren und sicherer empfundenen Treffpunkt werden. Dieser Vorschlag

stieß insbesondere bei den beiden anwesenden Vertreterinnen aus dem Stadtbezirksrat

Mitte auf Interesse.

Die vierte Gruppe nahm schließlich die IGS Querum selbst in den Blick. Sie entwickelte

Vorschläge für ein modernes und nachhaltiges Energiekonzept: individuell regulierbare

Heizungen, Solarmodule zur eigenen Energiegewinnung sowie begrünte Dächer und

Fassaden könnten die Schule zukunftsfähiger machen.Besonders erfreulich war die Reaktion der politischen Gäste. Alle vier Vorschläge wurden

ausgesprochen wertschätzend aufgenommen und konstruktiv diskutiert. Die

Politikerinnen und Politiker signalisierten, die Anregungen in ihre jeweiligen politischen

Gremien, Fraktionen und die Stadtverwaltung weiterzutragen. Auch die Ideen, die es nicht

auf die Bühne geschafft hatten, wurden den Gästen schriftlich übermittelt. So erhielt jeder

Vorschlag die Chance, über den Projekttag hinaus Wirkung zu entfalten.

Der Projektabschluss zeigte eindrucksvoll, dass demokratische Teilhabe nicht erst

mit dem Wahlrecht beginnt. Jugendliche haben Ideen, erkennen Probleme und können

konkrete Lösungen entwickeln. Vor allem aber wurde an diesem Tag deutlich: Ihre

Stimmen werden gehört – und vielleicht wird aus der einen oder anderen Idee tatsächlich

schon bald ein Stück Braunschweiger Wirklichkeit.